Über 300 MetallerInnen demonstrierten auf dem Schwenninger Marktplatz für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze in der Region. Ein Anfang sich zu wehren und zu zeigen, dass Widerstand gegen die Abwälzung der Krise auf die Beschäftigten wächst. Mit roten IG Metall Fahnen, selbstgemalten Plakaten und Bannern brachten die KollegInnen vor allem aus mittelständischen Zuliefererbetrieben und von Mahle in Rottweil ihre Existenzsorgen zum Ausdruck.

Angesichts von über 1000 Arbeitsplätzen in der Metall- und Elektroindustrie, die in der Region vernichtet werden sollen, zeigt sich aber, dass bei vielen KollegInnen noch nicht angekommen ist:

Wir müssen uns wehren, um nicht unter die Räder zu kommen! Und wir brauchen einen Plan B!

Und diesen Plan B werden wir selbst entwickeln und erkämpfen müssen, den bekommen wir nicht geschenkt mit Kaufanreizen für Autos oder vom Bundestagsabgeordneten der CDU, Herrn Frei. Wenn Herr Frei beklatscht wurde, wenn er inhaltlich sagt, wir sitzen alle in einem Boot und von Solidarität schwafelt, während die Daimler und BMW Aktionäre sich fette Dividenden genehmigen und gleichzeitig KollegInnen entlassen werden, läuft etwas gehörig falsch. Und vor allem, das sind keine Perspektiven für uns hier in der Zuliefererindustrie.

Denn die Auswirkungen der Krise sind verheerend. Schon lange vor Corona hat der Strukturwandel in vielen Betrieben für Auftragsrückgang und finanzielle Engpässe geführt, gerade bei den mittelständischen Zulieferern. Der überfällige Trend weg vom Fossil Verbrennungsmotor zu E-Mobilität ist eine der häufig vorgebrachten Ursachen. Der zweite Grund ist, dass die deutsche Industrie problemlos Millionen Autos pro Jahr mehr produzieren könnte, nur werden diese schlichtweg nicht benötigt. Die Überproduktionskrise gehört zu Kapitalismus wie das Streben nach Profit.

Und angesichts des desaströsen CO2- Ausstoßes und der Feinstaubbelastung durch die Blechlawine und den dadurch verursachten verheerenden Auswirkungen auf unsere Umwelt, wollen wir wirklich unsere Arbeitskraft damit vergeuden, zwei bis drei-Tonner Mega- SUVs mit Verbrennungsmotor oder Elektroantrieb zu produzieren? Das nur für das Ego von Menschen, die ihren Besitz durch die Aneignung des Mehrwerts unserer Arbeit erlangt haben und damit – zumindest während der Pandemie – gerade auch mal zum Bäcker fahren können um Frühstücksbrötchen zu kaufen?

Nur: Auch wenn es uns gelingen sollte, die Ansiedelung von Zukunftstechnologien an den bestehenden Standorten zu erkämpfen, wird das den Wegfall von Arbeitsplätzen nicht ausgleichen können und zwar solange nicht, wie das eigentliche Ziel der Produktion dicke Profite für die Bosse und Aktionäre sind. Während wir noch überlegen und mit unserem Schicksal hadern, nutzt das Kapital als Klasse die Krise zum Angriff auf den Flächentarifvertrag, die abschlagfreie Rente mit 63 für langjährig Beschäftigte, forciert die Umverteilung der Sozialversicherungsbeiträge auf unsere Kosten und vieles mehr. Die Gegenseite geht in die Vollen.

Viele Betriebsräte und auch Gewerkschaftsfunktionäre sind noch in der Schockstarre. Lange Jahre vorherrschende gewerkschaftliche Sozialpartnerschaftsideologie haben tiefe Spuren bei den Beschäftigten hinterlassen und verhindern den Blick nach vorne. Doch Wirtschaftswachstum per se und die private Aneignung des gesellschaftlichen Reichtums bieten keine Zukunft für uns.

Und dabei liegt es doch auf der Hand: Der gesellschaftliche Reichtum ist enorm, das Problem ist die Verteilung. Der Kapitalismus taugt schon lange nicht mehr, er kann letztlich keine soziale Sicherheit und Wohlstand für uns als ArbeiterInnenklasse hervorbringen. Neue Formen des Wirtschaftens sind möglich, überfällig und alternativlos.

Es liegt an uns, zusammen zu stehen, solidarisch zu sein, uns zu organisieren und uns zu wehren!